Eis, Wasser und die Menschen haben das Südfünische Inselmeer erschaffen

Foto: Destination Fyn

Drei Kräfte haben das Südfünische Inselmeer, wie wir es heute kennen, erschaffen: die Gletscher der Eiszeit, das Wasser im Meer und vor allem der Mensch. 

Die drei Schöpfer: die Welt des Eises

Mit unbegreiflichen Kräften erschufen kolossale Gletscher das Inselmeer so, wie es heute ist. Mal wie ein Bulldozer, mal wie eine stille Schmelzwasserquelle, aber immer mit einer permanenten Spur im Gelände über und unter der Oberfläche. Obwohl das Eis vor 11.700 Jahren wegschmolz, sind die Folgen von dessen Bewegungen noch immer sehr deutlich sichtbar – nicht nur an den Formen der Hügel, sondern auch an den Steinen auf den Feldern und am Strand, am Verlauf der Schmelzwassertäler und sogar an den Baumaterialien aus Ziegel und Stein in den Städten und Dörfern.

 Auf dem Wanderweg des Inselmeeres erleben Sie am eigenen Leib, wie gewaltig das Eis die Erdschichten früherer Zeiten hochgeschoben hat, denn es sind die Hügel, die Sie hinaufgehen und die Ihnen stramme Waden verleihen. Sie sehen die Farbe des Bodens dort, wo der Untergrund sichtbar wird, und vielleicht bemerken Sie, dass über der Oberfläche gelber Ton und jede Menge Sand liegen anstatt Mutterboden. Auf dem Feld und am Strand sehen Sie die Steine. Keine gleichmäßig abgerundeten Steine, sondern eine Symphonie aus fremden Klippenblöcken, die wie eine Visitenkarte mit dem Eis hierher geführt worden sind. Sie müssen sich nicht einmal bücken, um sie zu sehen – schauen Sie auf den Grabhügel, auf die Kirchenmauer oder auf den Sockel des Hofes – dann sehen Sie immer denselben Stein; ein Zeugnis des Dänemarks der

Die drei Schöpfer: die Welt des Wassers

Das Wasser kann ruhig, gewaltig, warm oder kalt sein, dunkel oder hell. Es kann eine glatte Oberfläche haben, ein rieselnder Bach oder ein launisches Moor sein. In Dänemark ist man nie weit von der Küste entfernt, an nur wenigen Orten ist man jedoch so nah am Meer wie hier im Südfünischen Inselmeer.

Auf dem Wanderweg des Inselmeeres können Sie den Weg des Wassers verfolgen – vom Auftreffen als Tropfen auf die Hügel bei Trebjerg, Lerbjerg, die Kirche von Bregninge, die Mühle von Egebjerg und auf Fakkebjerg. Ab und zu kommen Sie ganz nah an das Wasser heran, wenn Sie an den Bächen und Flüssen entlanggehen (denken Sie an Reservesocken), und an allen Stellen können Sie die Kluften und Täler sehen, die das Wasser über 12.000 Jahre lang in die Landschaft geschnitten hat. Das Tal „Syltemade Ådal” ist ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Unten an der Küste liegt das Weltmeer vor Ihnen. Im Südfünischen Inselmeer war das Meer nicht nur die Verbindung zu Dänemark, sondern auch zum Rest der Welt, und hier haben sich viele Mädchen und Jungen in ferne Gefilde geträumt, während die Frau des Seemanns davon träumte, den Mann wieder sicher nach Hause zu bekommen.

Das Wasser machte die Inseln im Inselmeer zu Inseln, als es vor ungefähr 9.000 Jahren plötzlich weltweit mehr um als 100 m anstieg. Zu dem Zeitpunkt war das Eis der Eiszeit geschmolzen und zu Meer geworden. Hügel wurden zu Inseln, und auf einmal war die Welt völlig anders. Gehen Sie am Strand entlang, suchen Sie die Werkzeuge aus den Siedlungen, die damals überschwemmt wurden und stellen Sie sich den Steinzeitfischer vor, der in seinem Einbaum ablegte, um im flachen Wasser Aale zu fangen.

Die drei Schöpfer: die Landschaft des Menschen  

Das Eis und das Wasser hatten die Leinwand erschaffen, die der Mensch jahrtausendelang nach dem Abschmelzen des Eises mit seiner Geschichte bemalte. Die Landschaft des Menschen, die Kulturlandschaft, wurde von den ersten Jägern erschaffen, die ihre Pfade durch den Weißen Silberwurz der Tundra trampelten, bis hin zur heutigen Renaturierung.
Der Einfluss des Menschen, ob bewusst oder unbewusst, nahm merkbar zu, als auf diesem Erdteil vor ca. 5.400 Jahren die Bauernsteinzeit begann. Ab da lebte man von dem Land, das man besaß und hatte das Bedürfnis, der Umwelt die Besitzverhältnisse anzuzeigen, indem man beispielsweise Zäune oder Monumente errichtete. Am deutlichsten sichtbar waren jedoch zweifelsohne die Abholzungen, die wie Inseln in einem engen Waldmeer im dicht bewachsenen Wald entstanden, welche mit der Zeit aber zu einer großen, zusammenhängenden Fläche wurden – der dänischen Kultursteppe. 

Die Kulturlandschaft, die wir heute sehen, wurde vor allem in der neueren Zeit geformt, und ausgetauschte Dörfer, moderne Straßen und kolossale Felder stechen hervor. Wenn man genauer hinschaut, kann man schnell die Spuren der vergangenen Zeiten entdecken: die Kirchen des Mittelalters, die Burgen, die Dörfer und Mühlen, die Dörfer aus der Eisenzeit oder die Grabhügel aus der Bronze- und Steinzeit. Die Grabhügel gehören zu den ältesten, und ursprünglich gab es 5-10-mal so viele wie heute. Heute thronen sie vor allem oben auf den Hügeln und auf anderen herausragenden Stellen im Gelände dieser Region, früher lagen sie jedoch fast überall und erzählten den Menschen der Vergangenheit über deren Vorfahren – genau wie heute auch. 

Die Steinzeit im Inselmeer

Die Landschaft der Steinzeit liegt heute über und unter der Meeresoberfläche. Als das Eis der Weichseleiszeit vor 11.700 Jahren abschmolz, waren Dänemark und die Britischen Inseln eine zusammenhängende Landmasse, und die Ostsee sowie das Inselmeer existieren überhaupt nicht. Stattdessen lag dort eine hügelige Landschaft mit tiefen Schmelzwassertälern, die zunächst mit Tundra und später mit Wald bedeckt waren, in dem Großwild und jede Menge Kleinwild beheimatet waren. Vor 7.000 Jahren war die gesamte Eisdecke jedoch abgeschmolzen und das Wasser stieg rasant an – um über 100 Meter! Aus der Bibel kennen wir die Geschichte von der Sintflut und Noah. Solche Geschichten gibt es in der ganzen Welt, und sie rühren vermutlich von genau diesem Anstieg der Meere her. Für die Jäger, die in den Tälern auf Südfünen und auf den Inseln wohnten, änderte sich die Welt im Laufe von wenigen Generationen drastisch, denn plötzlich mussten sie sich daran gewöhnen, an der Küste zu wohnen. Dieser Übergang verlief jedoch problemlos, und in der so genannten Ertebøllezeit sehen wir einen Reichtum an Siedlungen und Leben, der wohl nur durch die Ressourcen aus dem Meer entstehen konnte. Die Küsten der Ertebøllezeit liegen heute 4-6 Meter unter der Meeresoberfläche.

Als 3.400 v. Chr. die Jägersteinzeit begann, stieg der Meeresspiegel nicht mehr so schnell, und die Küsten schienen stabiler zu sein. Es war jedoch noch nicht ganz vorbei, und wir finden im Meer immer noch Spuren der Steinzeitbauern, und bei der Insel Siø kann man sogar noch einen überschwemmten Dolmen sehen; eine Grabkammer eines Häuptlings. Wenn Sie auf dem Wanderweg des Inselmeeres entlanggehen, können Sie die Grabhügel aus der Bauernsteinzeit leicht entdecken. Stellen Sie sich aber auch einmal die Welt vor, wie sie damals aussah, als die Inseln keine Inseln waren, und die Menschen in den bewaldeten Tälern auf der Jagd nach Hirschen und Urochsen

Die Landschaft des Mittelalters – Bauern und Adel, Kirche und König

Im Mittelalter (1050-1550) geschah eine vorher nicht dagewesene technologische Entwicklung. Vor allem die Wassermühlen waren ein Ausdruck für diese Entwicklung. Gleichzeitig änderten sich viele Dinge in der Gesellschaft, und insgesamt wurde der Grundstein für eine völlig neue Kulturlandschaft in einem neuen Dänemark gelegt. Die Dörfer mit den Kirchen spielten hierbei eine sehr wichtige Rolle. Vor dem Mittelalter wechselten die Dörfer alle paar Jahrzehnte ihre Platzierung. Die Häuser verfaulten, und der Boden war dort, wo die Menschen und Tiere einige Jahre lang gewohnt hatten, sehr reichhaltig. Man nannte dieses Phänomen „wandernde Dörfer“.   

Im Mittelalter nahm diese Wanderung ein Ende, denn durch den Bau der Kirchen konnte man die Gebäude nicht mehr mitnehmen, und auch nicht die Toten auf dem Friedhof. Jede einzelne Steinkirche in den Dörfern ist ein Anker, der ein wanderndes Dorf seit dem Mittelalter festhält. In der Nähe von u. a. Nakkebølle, Hvidkilde und Fårevejle verläuft die Strecke in der Nähe von Wallplätzen aus dem Mittelalter. Dort stand früher eine kleine Burg oben auf einem Erdhügel, die von einem Wallgraben umgeben war. Heute sind sie jedoch verschwunden, und die Steine wurden an anderen Stellen wiederverwendet. Ørkild und Tranekær sind große Burgen, die ein ganzes Gebiet beschützen konnten und die beide während des Mittelalters und der Renaissance angegriffen worden waren.

Die Industrialisierung und das Inselmeer

Die meisten verbinden mit der Industrialisierung Fabriken und Städte, aber die Spuren dieses Prozesses sind auch sehr deutlich in der Landschaft zu sehen. Viele dieser Spuren sind bereits im Begriff zu verschwinden – halten Sie deshalb genau Ausschau, wenn Sie auf dem Wanderweg des Inselmeeres gehen. Draußen auf dem Land trug die Mechanisierung dazu bei, die Welt, wie man sie bisher gekannt hatte, zu verändern. Die Landwirtschaft profitierte davon, und vor allem die Infrastruktur wurde durch den motorisierten Transport zu Land und zu Wasser gefördert. Mit den Dampfmaschinen in den Schiffen war man nicht mehr vom Wind abhängig, und an Land ging mit den Zügen der Fortschritt einher.

Auf dem Wanderweg des Inselmeeres bei Rantzausminde verläuft ein Stück des Weges auf den ehemaligen Bahngleisen zwischen Svendborg und Faaborg. Achten Sie einmal darauf, wie sich die Bahnstrecke gnadenlos durch die Landschaft schneidet ohne Rücksicht auf ehemalige Abgrenzungen. Eisenbahnen erfordern viel Platz, dafür konnte man plötzlich viel schneller ans Ziel gelangen. In Spodsbjerg ermöglichte die Bahn ein neues Freiluftleben, weil so die Badegäste aus Rudkøbing an die schönen Strände bei Spodsbjerg transportiert werden konnten. Auf dem Weg in die Kleinstädte kommt man vielerorts an den typischen Arbeitervierteln vorbei, die entstanden, als ein großer Teil der Bevölkerung vom Land in die Stadt zog, um in der Industrie zu arbeiten. Die Häuser waren klein und sehr anders als die Höfe und Kätnereien auf dem Land. Dafür konnte man gut Geld verdienen, und vielleicht konnte man weiter Richtung Stadtzentrum ziehen. Durch die Industrialisierung wurden nicht nur Güter und Maschinen bewegt, sondern auch Menschen.