Detail von 'Die Rübenarbeiterinnen'
In der Rotunde auf der Insel im Eventyrhaven begegnen Sie dem bronzenen Gesicht einer jungen Frau. Kopf einer Rübenarbeiterin gehört vielleicht nicht zu den bekanntesten Skulpturen Odenses, doch hinter dem ruhigen Porträt verbirgt sich eine Geschichte über Arbeit, Migration und das Alltagsleben in Dänemark in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Büste basiert auf dem Denkmal Die Rübenarbeiterinnen des Bildhauers Gottfred Eickhoff und gibt Einblick in ein Kapitel der dänischen Geschichte, das vielen Besuchern heute kaum bekannt ist.

Teil eines größeren Denkmals
Die Büste im Eventyrhaven ist eine Kopie des Kopfes einer der Figuren aus Gottfred Eickhoffs Skulpturengruppe Die Rübenarbeiterinnen, die 1940 auf dem Marktplatz der Stadt Sakskøbing aufgestellt wurde. Das Original zeigt zwei Frauen und wurde als Denkmal für die Landarbeiter geschaffen, die auf den Zuckerrübenfeldern von Lolland-Falster arbeiteten.
Obwohl die Büste nur ein einzelnes Gesicht zeigt, verweist sie auf die größere Geschichte hinter dem Denkmal. Sie stellt keine bestimmte Person dar, sondern steht stellvertretend für die Frauen, deren Arbeit das Leben und die Entwicklung der ländlichen Regionen prägte.
Die Geschichte der Rübenarbeiterinnen
Um die Wende zum 20. Jahrhundert kamen viele Saisonarbeiter nach Dänemark, um auf den Zuckerrübenfeldern zu arbeiten, darunter zahlreiche Frauen aus Polen. Sie wurden als Rübenarbeiterinnen bekannt und spielten eine wichtige Rolle für Landwirtschaft und Zuckerproduktion auf Lolland-Falster.
Als Gottfred Eickhoff den Auftrag erhielt, ein Denkmal für Sakskøbing zu schaffen, entschied er sich für diese Frauen als Motiv. Er beschrieb sie als „monumentale, gesunde und kräftige Gestalten“ und wollte zugleich ein Denkmal für die arbeitende Frau schaffen. So wurde die Skulptur zu einer Würdigung einer Bevölkerungsgruppe, deren Leistungen in der Kunst nur selten sichtbar gemacht wurden.
Gottfred Eickhoff
Gottfred Eickhoff (1902-1982) zählt zu den bedeutenden dänischen Bildhauern des 20. Jahrhunderts. Er studierte unter anderem in Paris und ließ sich von der klassischen griechischen und ägyptischen Kunst inspirieren. Frauenfiguren gehören zu den wiederkehrenden Motiven seines Werks, und Die Rübenarbeiterinnen gilt als sein künstlerischer Durchbruch. Später wirkte er als Professor an der Königlich Dänischen Kunstakademie in Kopenhagen.
Eine andere Geschichte im Eventyrhaven
Die Büste befindet sich in der Rotunde auf der Insel im Herzen des Eventyrhaven. Während viele der Skulpturen im Park mit Hans Christian Andersen und seinen Märchen verbunden sind, erzählt Kopf einer Rübenarbeiterin eine andere Geschichte. Sie erinnert an die Menschen, deren Arbeit die dänische Gesellschaft mitgeprägt hat, und erzählt zugleich ein Stück dänischer Kultur- und Sozialgeschichte, das heute vielen Besuchern unbekannt ist.
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